Glossar

Tarot-Legesystem

Kurz gesagt

Ein Tarot-Legesystem ist eine festgelegte Anordnung, in der jede Kartenposition einen bestimmten Teil der Frage behandelt. Eine Legung kann aus einer einzigen Karte oder mehreren miteinander verbundenen Plätzen bestehen. Wähle den Aufbau nach den Gesichtspunkten deines Anliegens und bestimme ihre Reihenfolge vor dem Ziehen.

Was ist ein Tarot-Legesystem?

Ein Tarot-Legesystem ist eine Anordnung von Karten mit vorab bestimmten Aufgaben für die einzelnen Plätze. Diese Plätze heißen Positionen; im Englischen wird der gesamte Aufbau als spread bezeichnet. Die Frage liefert das Thema, das Legesystem gliedert es. Eine Karte wird dadurch etwa zum Bild der heutigen Situation, einer Schwierigkeit oder eines möglichen Umgangs.

Schon eine einzelne Karte bildet eine Legung, wenn ihr eine klare Aufgabe zugewiesen ist. Mehrere Karten ermöglichen zusätzlich Vergleiche: Hintergrund und Gegenwart, eigene Haltung und Umfeld oder zwei verschiedene Möglichkeiten. Die räumliche Form unterstützt diese Verbindung, während die Positionen festlegen, was du tatsächlich vergleichst.

Legesystem Karten Wofür sich der Aufbau eignet
Ein-Karten-Legung 1 Ein Hauptthema zu einer begrenzten Frage
Drei-Karten-Legung 3 Vergangenheit, Gegenwart und mögliche weitere Richtung
Fünf-Karten-Legung 5 Früherer Einfluss, Lage, Hindernis, Rat und mögliches Ergebnis
Keltisches Kreuz 10 Vielschichtige Lage mit Selbstbild, Umfeld und Erwartungen
Hufeisen-Legung 7 Verlauf, wenig beachteter Einfluss, Hindernis und äußere Unterstützung
Tarot-Beziehungslegung 7 Haltung, Gefühle und wiederkehrende Muster beider Seiten im gemeinsamen Zusammenhang
Tarot-Entscheidungslegung 7 Zwei Möglichkeiten mit Anfang, Entwicklung und jeweiligem Ergebnisthema
Tarotlegung für Beruf und Geld 7 Arbeit, Fähigkeiten, Aufwand, Gegenwert und offene Anforderungen
Spirituelle Tarotlegung 6 Persönliche Lernfrage, Ressourcen und ein praktischer Schritt
Tarotlegung zur Schattenarbeit 5 Wenig benannte Gefühle, bekannte Hintergründe und eigenes Verhalten
Tarot-Monatslegung 6 Thematische Betrachtung eines Monats mit Möglichkeiten, Anforderungen und Rat
Tarot-Jahreslegung 13 Zwölf Monatsplätze und ein übergeordnetes Jahresthema zur Reflexion
Spiegel des Herzens: Katina-Beziehungslegung 7 Beziehungskern, beide Gefühlsseiten, Sichtbares, Unausgesprochenes und Orientierung
Katina-Kreuz 10 Kern, bewusste und wenig benannte Themen sowie Haltung und Umfeld
Drei Wege: Katina-Entscheidungslegung 10 Drei Möglichkeiten in getrennten Spalten neben einem gemeinsamen Entscheidungsthema

Die letzten drei Formen gehören zur eigenständigen Katina-Tradition und verwenden deren 65-Karten-Deck. Die zwölf Tarotformen arbeiten mit den Bedeutungen des Tarots mit 78 Karten. Ähnliche Themen machen die beiden Kartensysteme nicht austauschbar; für die Deutung bleiben die jeweiligen Bedeutungen und Rollen maßgeblich.

Vom Auslegen der Karten zu benannten Deutungsmustern

Das Wort Legesystem verbindet die Anordnung mit dem Tun: Karten werden an bestimmte Stellen gelegt. Legen ist nach Duden bereits im Mittelhochdeutschen und Althochdeutschen belegt und bedeutet ursprünglich sinngemäß, etwas zum Liegen zu bringen. Die räumliche Bedeutung bleibt beim Kartenlegen unmittelbar erkennbar. Eine Reihe, ein Kreuz oder ein Bogen macht Beziehungen zwischen den Plätzen sichtbar.

Tarotkarten sind nach der historischen Darstellung der Pinacoteca di Brera seit den 1440er-Jahren im italienischen höfischen Spiel belegt. Die spätere Verwendung zur Wahrsagung unterscheidet sich von diesem Spielzusammenhang. Bei einer heutigen Legung geben benannte Positionen wie Haltung, Hindernis und Rat den Karten ihre Aufgaben; sie gliedern eine Frage in Gesichtspunkte, die du getrennt betrachten und anschließend vergleichen kannst.

Einen konkreten historischen Aufbau beschreibt Waite im 1910 veröffentlichten The Pictorial Key to the Tarot. Seine Anleitung zum Keltischen Kreuz verbindet eine gewählte Vertreterkarte mit zehn weiteren, nummerierten Plätzen. Die Aufgaben reichen vom zentralen Einfluss bis zum Umfeld und zu Hoffnungen oder Befürchtungen. Beim Vergleich mit anderen Fassungen zählt deshalb neben dem Namen immer die tatsächliche Zuordnung; gleich benannte Kreuze können einzelne Plätze unterschiedlich nummerieren.

Den Aufbau an der Frage prüfen

Zerlege das Anliegen in unterscheidbare Teile. Für einen Rückblick brauchst du andere Plätze als für den Vergleich zweier Alternativen. Schreibe zunächst auf, ob du einen Verlauf, eine Spannung oder mehrere mögliche Vorgehensweisen betrachten möchtest. Suche anschließend den Aufbau, dessen Rollen diesen Bedarf abdecken, statt möglichst viele Karten unterzubringen.

Halte Nummer und Rolle zusammen fest. Eine ähnliche Form ist noch kein identischer Ablauf. Bei der Tarot-Entscheidungslegung bilden zwei bis vier und fünf bis sieben zwei waagerechte Wege; bei Katinas Drei Wegen verlaufen die Optionen in den Spalten zwei–fünf–acht, drei–sechs–neun und vier–sieben–zehn. Lies zuerst den vollständigen Weg und vergleiche danach entsprechende Plätze miteinander.

Verbinde Bedeutung und Aufgabe. Auf dem Hindernisplatz lenken die Vier der Schwerter den Blick auf eine Unterbrechung; als Rat betonen sie den bewussten Umgang mit Ruhe. Einmal untersuchst du, ob eine Unterbrechung das Vorhaben aufhält, einmal welchen Raum eine bewusste Pause braucht. Die Frage und die benachbarten Themen erklären, welcher Bezug sinnvoll ist.

Fasse den Zusammenhang in eigenen Worten. Nach den Einzelkarten benennst du den wesentlichen Gegensatz oder die gemeinsame Linie. Beziehe mögliche Ergebnisse auf die untersuchten Bedingungen und halte daneben eine Handlung fest, über die du selbst verfügst. Eine Ergebniskarte entscheidet weder stellvertretend für dich noch beschreibt sie eine unveränderliche Zukunft.

Zum Üben dieser Verbindung kannst du in der Larisa-App „Legung: Klassisch / Karte“ mit drei Karten wählen. Die drei Plätze tragen jeweils die Bezeichnung „Position: Zeit“, behandeln aber in dieser Reihenfolge Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Du wählst die Karten selbst aus dem gemischten, verdeckten Deck und liest den dritten Platz als mögliche Richtung unter den heutigen Bedingungen.

Legesysteme bei Übung, Auswahl und Zusammenarbeit

Ein Vorhaben wieder aufnehmen. In einer Drei-Karten-Legung zu deinem Zeichenprojekt liegen Vier der Schwerter links, der Magier in der Mitte und Acht der Münzen rechts. Eine bisherige Unterbrechung steht damit neben heute verfügbaren Fähigkeiten und der möglichen Ausrichtung auf sorgfältige Übung. Prüfe, welches Material bereits bereitliegt, und wähle eine einzelne Zeichentechnik für den nächsten Versuch. Die Reihenfolge verbindet Rückblick, aktuellen Ansatz und eine konkret benannte Arbeitsweise.

Zwei Formen der Beteiligung vergleichen. Du überlegst, ob du einen Text allein ausarbeiten oder in einer Schreibgruppe besprechen möchtest. In der Entscheidungslegung liegt der Eremit am Anfang der ersten Möglichkeit, die Drei der Kelche am Anfang der zweiten. Konzentration auf die eigene Frage steht damit neben gemeinschaftlichem Austausch. Vergleiche auch die jeweiligen Entwicklungsplätze, bevor du Gewicht und Aufwand beider Einstiege beurteilst.

Unterstützung von eigener Arbeit unterscheiden. In einer Hufeisen-Legung zu einer gemeinsamen Präsentation steht die Drei der Münzen auf Platz fünf, die Acht der Münzen auf Platz sechs. Äußere Unterstützung durch abgestimmte Fähigkeiten trifft auf den Rat, deinen eigenen Teil sorgfältig zu bearbeiten. Kläre, zu welchem Entwurf du Rückmeldung bekommen kannst und welchen Abschnitt du selbst überarbeitest. Beide Plätze ergänzen sich, ohne die Zuständigkeiten gleichzusetzen.

Wenn eine einzige Karte zu viel beantworten soll. Du ziehst die Königin der Schwerter und möchtest daraus zugleich Hintergrund, Absicht einer anderen Person und Ausgang eines Streits ablesen. Die Ein-Karten-Legung hat dafür keine getrennten Plätze; ihr Schwerpunkt bleibt die Hauptbotschaft zur vorher gestellten Frage. Beziehe Klarheit und begründete Grenzen auf deinen eigenen nächsten Gesprächsbeitrag. Für eine spätere, anders gegliederte Frage bestimmst du einen neuen Aufbau vor dem Ziehen.

Häufige Fragen

Mit welcher Legung kann ich das Zusammenspiel von Karten üben?

Eine Drei-Karten-Legung bietet einen überschaubaren Zusammenhang. Du liest erst jede Karte an ihrem Platz und vergleichst anschließend die drei Themen miteinander. Wenn du dagegen vor allem einzelne Bedeutungen kennenlernen möchtest, lässt dir eine Ein-Karten-Legung mehr Aufmerksamkeit für ein einziges Motiv und dessen Bezug zu deiner Frage.

Sind mehr Karten genauer als wenige?

Mehr Positionen unterscheiden mehr Gesichtspunkte, erhöhen aber nicht automatisch die Aussagekraft. Zehn Plätze helfen, wenn du beispielsweise Selbstbild, Umfeld und Hoffnungen getrennt betrachten möchtest. Bei einer eng umrissenen Frage können dieselben zehn Plätze zu Wiederholungen führen; entscheidend ist, ob jede Position eine eigene Aufgabe hat.

Kann ich mit einem physischen Deck eigene Positionen festlegen?

Ja, du kannst mehrere zusammengehörige Teilfragen aufschreiben und jeder einen Platz zuweisen. Ordne sie vor dem Mischen, etwa Vorbereitung, Schwierigkeit und eigener Umgang. Halte den so entworfenen Aufbau von einem benannten Legesystem mit anderen Rollen getrennt, damit seine Reihenfolge während der Deutung nachvollziehbar bleibt.

Stammt das Keltische Kreuz nachweislich aus der keltischen Antike?

Waites Bezeichnung allein belegt keine solche Herkunft. Sein 1910 erschienenes Handbuch beschreibt die Anordnung unter einer Überschrift, die sie als alte keltische Methode bezeichnet. Für das praktische Lesen sind die festgelegten Rollen entscheidend; ein historisch klingender Name begründet weder höheres Alter noch besondere Verlässlichkeit.

Kann eine umgekehrte Karte den Platz oder die Reihenfolge ändern?

Eine Umkehrung verändert die Lesart der Karte innerhalb ihrer Aufgabe. Ein Hindernisplatz bleibt ein Hindernisplatz, während du etwa Übermaß, Zurückhaltung oder eine Verzögerung des Kartenthemas untersuchst. Auch eine quer gelegte Kreuzungskarte hat zunächst eine räumliche Funktion; ihre Lage ersetzt nicht die beim Ziehen festgehaltene Ausrichtung.

Die Deutungen von Larisa Tarot dienen der persönlichen Bewusstwerdung, der Selbstreflexion und der Unterhaltung. Sie enthalten keine Gewissheit, keine Garantie für die Zukunft und kein Versprechen eines bestimmten Ergebnisses.