Glossar

Lenormandkarten

Kurz gesagt

Lenormandkarten sind ein Kartensystem aus 36 nummerierten Bildern für konkrete Themen wie Austausch, Bindung oder Hindernisse. Das kleine Lenormand verbindet diese Symbole in Paaren, Reihen und der Großen Tafel zu zusammenhängenden Aussagen. Entscheidend ist, wie die Bilder einander zur gestellten Frage näher bestimmen.

Was sind Lenormandkarten?

Lenormandkarten sind die 36 nummerierten Bildkarten des kleinen Lenormand, eines eigenständigen Systems des Kartenlegens mit Motiven aus dem Alltag. Der französische Name Petit Lenormand bezeichnet dasselbe Deck. Reiter, Brief, Ring und Berg bilden darin eine überschaubare Symbolsprache, deren Bedeutungen sich durch Kombinationen verändern.

Das kleine Lenormand ist nach seinen 36 Bildmotiven geordnet. Aufgedruckte Spielkartenzeichen sind zusätzliche Angaben, keine Gliederung in Große und Kleine Arkana, vier Tarotfarben und Hofränge. Eine Kartenfolge wird eher wie ein kurzer Satz gelesen: Ein Brief benennt schriftlichen Austausch, ein benachbarter Berg dessen Hindernis. Die Auslegung fragt dann beispielsweise nach dem schwer verständlichen Punkt eines vorhandenen Schreibens.

Die Übersicht nennt die 36 Bilder und gebräuchliche symbolische Schwerpunkte. Je nach Ausgabe begegnen dir Varianten wie Blumen statt Blumenstrauß, Eulen statt Vögel oder Garten statt Park.

Nr. Karte Deutungsschwerpunkt
1 Reiter Nachricht, Bewegung
2 Klee Kleine Gelegenheit, Leichtigkeit
3 Schiff Entfernung, Unterwegssein
4 Haus Zuhause, vertrauter Rahmen
5 Baum Verwurzelung, langsame Entwicklung
6 Wolken Unklarheit, Zweifel
7 Schlange Umwege, Verwicklung
8 Sarg Ende, Stillstand
9 Blumenstrauß Einladung, Wertschätzung
10 Sense Schnitt, abrupte Trennung
11 Ruten Streit, wiederholte Auseinandersetzung
12 Vögel Gespräch, Aufregung
13 Kind Kleiner Anfang, Unerfahrenheit
14 Fuchs Eigeninteresse, Vorsicht
15 Bär Einfluss, Durchsetzungskraft
16 Sterne Orientierung, Vorstellungen
17 Störche Veränderung, Wechsel
18 Hund Freundschaft, Verlässlichkeit
19 Turm Eigenständigkeit, Institution
20 Park Öffentlichkeit, Begegnung
21 Berg Hindernis, Verzögerung
22 Wege Wahl, mehrere Möglichkeiten
23 Mäuse Verlust, schleichende Abnahme
24 Herz Zuneigung, Herzensanliegen
25 Ring Bindung, Vereinbarung
26 Buch Wissen, noch Unbekanntes
27 Brief Nachricht, Dokument
28 Herr Vereinbarte Personenrolle
29 Dame Vereinbarte Personenrolle
30 Lilien Ruhe, Reife
31 Sonne Freude, Sichtbarkeit
32 Mond Anerkennung, Empfindung
33 Schlüssel Zugang, Lösungsansatz
34 Fische Geld, Handel, Austausch
35 Anker Beständigkeit, Arbeit
36 Kreuz Belastung, Verpflichtung

Ein Gesellschaftsspiel hinter dem französischen Namen

Die Bildfolge hat einen deutschen Vorläufer: Johann Kaspar Hechtels Spiel der Hoffnung aus Nürnberg. Das Horniman Museum führt sein Lenormand-Spiel auf dieses um 1799 veröffentlichte Gesellschaftsspiel zurück. Damit gehört zur Geschichte der vertrauten Motive auch Unterhaltung am Spieltisch, bevor sie unter dem Namen einer berühmten Kartenlegerin Verbreitung fanden.

Marie Anne Adelaide Lenormand lebte von 1772 bis 1843 und arbeitete in Frankreich als Wahrsagerin. Nach ihrem Tod wurde ihr Name für mehrere Kartenspiele verwendet, darunter das kleine Lenormand. Die nach ihr benannte Bildfolge ist daher keine Abschrift ihrer persönlichen Beratungspraxis. Ein eigener Entwurf sämtlicher heute bekannter Karten lässt sich aus der Namensgleichheit nicht ableiten.

Auch die Druckformen zeigen Unterschiede innerhalb des Systems: Einige Ausgaben verbinden Bildmotive mit kleinen Spielkarten, andere mit Versen. Königsfurt-Urania nennt dafür die Blaue, Weiße und Rote Eule als unterschiedliche Varianten. Die 36 nummerierten Motive bleiben dabei der Bezugspunkt, während Gestaltung und Begleittext wechseln. Moderne Kombinationen und die Arbeit mit Themenkarten setzen an diesem gemeinsamen Bestand an; eine zusätzliche Kartenbotschaft oder ein neues Bilddetail gehört zunächst zur jeweiligen Ausgabe.

Vom Kartenpaar zur Großen Tafel

Einen überschaubaren Gegenstand wählen. Frage etwa nach deinem Umgang mit einer bestehenden Zusage, statt zugleich Freundschaft, Beruf und die gesamte nächste Zeit erfassen zu wollen. So erhält der Ring einen bestimmten Bezug: die Vereinbarung, über die du gerade nachdenkst. Ein Motiv kann mehrere Bedeutungen tragen, doch in dieser Legung muss es zum benannten Gegenstand passen.

Zwei Symbole sprachlich verbinden. Lies eine Karte als Thema und die andere als nähere Beschreibung. Buch und Wolken ergeben beispielsweise unübersichtliches Wissen oder ungeklärte Informationen; daraus entsteht die Frage, welcher Teil noch unverständlich ist. Formuliere eine überprüfbare Beobachtung zu deiner Situation, bevor du eine weitere Kartenbedeutung hinzunimmst.

Die Mitte einer Reihe bestimmen. Bei drei Karten kannst du die mittlere als Schwerpunkt vereinbaren und ihre beiden Nachbarn zur Erläuterung heranziehen. Park, Ring und Berg verbinden dann eine gemeinsame Vereinbarung mit einer öffentlichen oder gemeinschaftlichen Situation und einem Hindernis. Trenne den Inhalt der Vereinbarung von dem Punkt, der ihre Umsetzung erschwert.

Personenrollen vorher vereinbaren. Herr und Dame können die fragende oder eine andere beteiligte Person vertreten. Wähle die Zuordnung passend zur Frage und zur Selbstbezeichnung der Beteiligten, statt Aussehen, Alter oder Geschlecht aus dem Bild abzuleiten. Untersuche bei einer Beziehung die eigene Erfahrung und ausgesprochene Absprachen; die Nachbarschaft einer Personenkarte belegt keine verborgene Absicht.

Die vollständige Auslage schrittweise erschließen. In der Großen Tafel liegen alle 36 Karten, etwa in vier Reihen zu neun oder in vier Reihen zu acht mit vier weiteren Karten darunter. Beim Häusersystem tragen die Plätze zusätzlich die Themen der festen Reihenfolge: Platz 20 gehört beispielsweise zum Park. Liegt dort der Brief, verbindest du schriftlichen Austausch mit Öffentlichkeit oder einer Gruppe und prüfst außerdem seine Nachbarkarten.

Vier Kombinationen mit konkretem Anlass

Eine Einladung klar formulieren. Für eine bereits geplante Vereinsveranstaltung ziehst du Park, Brief und Wolken. Der öffentliche Rahmen trifft auf eine schriftliche Nachricht, deren Inhalt noch unklar bleibt. Lies deinen Einladungstext daraufhin durch und ergänze den Punkt, den Außenstehende ohne Vorwissen brauchen, etwa den Zweck des Treffens oder die vorgesehene Beteiligung.

Eine Zusage zwischen Freunden. Hund, Ring und Berg begleiten die Frage, warum eine vereinbarte gemeinsame Aufgabe stockt. Freundschaft und Verbindlichkeit stehen neben einem Hindernis; daraus folgt noch keine Aussage darüber, wie ernst jemand die Freundschaft nimmt. Benenne den nicht erledigten Teil und frage konkret nach der Absprache, die ihr zur Fortsetzung braucht.

Schwankender Einsatz bei einer regelmäßigen Aufgabe. Anker, Mäuse und Wege beziehen sich auf ein Hobbyprojekt, für das du immer weniger Zeit aufbringst. Die Beständigkeit des Ankers trifft auf eine schleichende Abnahme, während die Wege mehrere Vorgehensweisen sichtbar machen. Vergleiche eine kleinere feste Aufgabe mit einer bewussten Pause und halte fest, welche Verpflichtung du jeweils übernimmst.

Ein beendeter kleiner Versuch. Kind und Sarg liegen zu einem Entwurf, den du schon nach wenigen Arbeitsschritten verworfen hast. Der kleine Anfang erhält durch den Sarg einen Abschluss; der Umfang bleibt durch den konkreten Entwurf begrenzt. Notiere, was daran aufgehört hat und ob einzelne Bestandteile weiterhin brauchbar sind, ohne aus dieser Kombination eine Aussage über ein reales Kind abzuleiten.

Häufige Fragen

Hat Marie Anne Lenormand diese Karten erfunden?

Das Kartensystem wurde nach ihr benannt; sie gilt jedoch nicht als Gestalterin seiner 36 Bildmotive. Diese gehen auf Johann Kaspar Hechtels Spiel der Hoffnung um 1800 zurück. Nach Lenormands Tod 1843 wurden Karten unter ihrem Namen vermarktet; ihre persönliche Praxis und das später so benannte Deck sind deshalb auseinanderzuhalten.

Ist die Große Tafel dasselbe wie das große Lenormand?

Nein, die Große Tafel ist eine Auslage aller 36 Karten des kleinen Lenormand. Das große Lenormand, auch Grand Jeu genannt, ist ein anderes Kartensystem mit 54 Karten. Die Größe der ausgelegten Tafel sagt also nicht, dass du ein größeres oder anderes Deck verwendest.

Brauche ich umgekehrte Bedeutungen?

Nein. Beim traditionellen kleinen Lenormand entstehen die Unterschiede durch Kombinationen, Reihenfolge und Positionen; die Karten werden aufrecht gelesen. Eine umgekehrte Lage ist deshalb keine zusätzliche Bedeutungsebene dieses Verfahrens. Arbeitest du mit einer modernen Umkehrregel, lege sie vorher fest und wende sie innerhalb der Legung einheitlich an.

Ist der Lenormand-Turm dasselbe wie der Tarot-Turm?

Nein, im Lenormand stehen beim Turm Eigenständigkeit, Abstand und Institutionen im Vordergrund. Der Tarot-Turm behandelt den Zusammenbruch einer Struktur und eine erschütternde Erkenntnis. Der gemeinsame Name erlaubt eine Gegenüberstellung, rechtfertigt aber keine unveränderte Übernahme der Bedeutung von einem System ins andere.

Verraten Hund oder Fuchs, wem ich vertrauen kann?

Aus einer gezogenen Karte lässt sich die Aufrichtigkeit eines anderen Menschen nicht feststellen. Der Hund gibt Freundschaft und Verlässlichkeit ein Symbol, der Fuchs rückt Vorsicht und Eigeninteresse in den Blick. Beziehe diese Themen auf konkrete Absprachen und auf Verhalten, das du tatsächlich kennst, statt Personen anhand einer Karte einzuteilen.

Die Deutungen von Larisa Tarot dienen der persönlichen Bewusstwerdung, der Selbstreflexion und der Unterhaltung. Sie enthalten keine Gewissheit, keine Garantie für die Zukunft und kein Versprechen eines bestimmten Ergebnisses.