Ratgeber

Tarotkarten legen lernen

Kurz gesagt

Tarotkarten liest du zu einer offenen Frage in einem vorher gewählten Legesystem. Betrachte Bild, traditionelle Bedeutung und Position jeder Karte und verbinde die einzelnen Themen zur Gesamtdeutung. Beginne mit einer Karte oder einer Legung mit drei überschaubaren Plätzen; halte Frage, Karten und einen eigenen nächsten Schritt schriftlich fest.

Wie liest du Tarotkarten?

Tarotkarten liest du, indem du eine offene Frage aufschreibst, Karten in festgelegte Positionen legst und ihre Bilder sowie traditionellen Bedeutungen auf diese Frage beziehst. Betrachte jede Karte einzeln und verbinde danach die Themen miteinander. Die abschließende Aussage erklärt einen Zusammenhang der Legung und führt zu einer Frage oder Handlung, die du selbst bearbeiten möchtest.

Ein übliches Tarotdeck umfasst 78 Karten. Die 22 Karten der Großen Arkana behandeln übergreifende Lebensthemen, vom Narren bis zur Welt. Die 56 Karten der Kleinen Arkana verteilen sich auf Kelche, Münzen, Schwerter und Stäbe. Jede Farbe enthält Ass bis Zehn sowie Bube, Ritter, Königin und König.

Kelche verbinden Gefühle und Beziehungen, Münzen Arbeit und materielle Bedingungen, Schwerter Gedanken und Konflikte, Stäbe Antrieb und Ideen. Die Farbe gibt einen Bereich, die einzelne Karte ein bestimmtes Thema darin. Fünf der Kelche behandelt Verlust und Enttäuschung, während Drei der Kelche Gemeinschaft und gemeinsames Erleben betrifft. Lies daher eine gezogene Karte genauer als nur über ihre Farbe.

Ein Deck, ein Notizbuch und eine ruhige Viertelstunde reichen für die ersten Versuche. Halte die Frage schriftlich fest und lasse daneben Platz für Position, Kartenname und Ausrichtung. Ein einfaches Legesystem gibt jedem Bild eine Aufgabe. So entsteht eine verständliche Deutung aus mehreren Beobachtungen, statt eine Sammlung voneinander gelöster Stichwörter.

Sieben Schritte für eine vollständige Tarotdeutung

1. Lerne das Deck in Gruppen kennen

Sortiere Große Arkana und die vier Farben. Betrachte die Zahlenkarten der Reihe nach und beschreibe, was die Figuren tun. Untersuche anschließend die Hofkarten: Buben betonen Neugier und erste Schritte, Ritter Bewegung und Suche, Königinnen eine reife innere Haltung, Könige Verantwortung nach außen. Eine Figur wird über ihren Platz als Personentyp, Eigenschaft oder Herangehensweise gelesen.

2. Formuliere eine offene Frage

Beginne mit was, wie oder warum und wähle einen eigenen Handlungspunkt. „Was möchte ich bei dieser Meinungsverschiedenheit klarer ausdrücken?“ gibt Gedanken, Gefühlen und Entscheidungen einen Zusammenhang. Tarotfragen formulieren hilft beim Eingrenzen. Schreibe deine Hoffnung oder Sorge separat auf, damit sie beim Lesen erkennbar bleibt.

3. Mische und bestimme die Ausrichtung

Mische mit der Frage im Blick und verwende eine gleichbleibende Art des Ziehens. Entscheide vorher, ob du umgekehrte Tarotkarten mitliest. Ihre Themen werden unter anderem über Verzögerung, innere Verarbeitung, Übermaß oder Schatten gelesen. Behalte die gewählte Regel bei, auch wenn eine Ausrichtung unangenehm wirkt.

4. Lege die Karten an feste Plätze

Beginne mit der Ein-Karten-Legung oder der Drei-Karten-Legung. Bei der Dreierlegung heißen alle drei Kartenplätze jeweils „Position: Zeit“; in der Reihenfolge betreffen sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Notiere die drei Aufgaben vor dem Aufdecken. Später ergänzt das Keltische Kreuz weitere Blickwinkel mit zehn Karten.

5. Lies Bild, Bedeutung und Position zusammen

Beschreibe zuerst eine sichtbare Einzelheit und das Gefühl, das sie auslöst. Ergänze die traditionelle Bedeutung, danach die Aufgabe des Platzes. Bei der Karte Acht der Schwerter auf dem Gegenwartsplatz verbindet sich Einschränkung mit der Frage nach deinem heutigen Handlungsspielraum. Formuliere diese Verbindung als vollständigen Satz und trenne bekannte Grenzen von eigenen Annahmen.

6. Vergleiche die ganze Legung

Welche Farbe ist häufig, welche Themen ergänzen sich, wo entsteht Spannung? Zwei Kelchkarten zeigen verschiedene emotionale Anliegen; mehrere Große Arkana bringen jeweils ein eigenes übergreifendes Thema ein. Vergleiche auch Zahlen und die Blickrichtungen tatsächlich dargestellter Figuren. Fasse erst dann zusammen, wie die Einzeldeutungen miteinander zu deiner Frage sprechen.

7. Schreibe eine Aussage und einen nächsten Schritt

Verbinde die Kartenthemen in einer verständlichen Aussage. Wähle anschließend eine konkrete Handlung wie ein Gespräch vorbereiten oder eine fehlende Information erfragen. Notiere Datum, Plätze und Ausrichtungen. Beim Wiederlesen markierst du, welche Verbindung du inzwischen anders verstehst, und bewahrst die erste Fassung zum Vergleich auf.

Beispiel: nach einer angespannten Absprache wieder sprechen

Die Frage: „Was möchte ich nach dem Streit in unserer Wohngemeinschaft klarer sehen?“ Für die Übung werden drei Karten in der zeitlichen Reihenfolge gelesen: Fünf der Schwerter, Vier der Kelche und Sechs der Kelche.

Vergangenheit. In der Rider–Waite–Smith-Szene der Fünf der Schwerter sammelt eine Figur Schwerter, während andere fortgehen. Die Bedeutung betrifft Konflikt, Verlust und einen Sieg auf Kosten des Miteinanders. Die Person im Beispiel erinnert, im Streit um den Putzplan unbedingt recht behalten zu wollen. Sie beschreibt ihre Worte, statt die Motive der anderen festzulegen.

Gegenwart. Vier der Kelche zeigt eine Figur mit verschränkten Armen unter einem Baum; eine weitere Schale wird angeboten. Rückzug, Unzufriedenheit und übersehene Möglichkeiten gehören zu den Themen. Die Person fragt, ob sie eine erneute Absprache aus Enttäuschung gerade abblockt, und hält die tatsächlich angebotene Gesprächszeit daneben fest.

Richtung der Betrachtung. Sechs der Kelche zeigt eine weitergereichte Schale mit Blumen. Erinnerung, vertraute Zuwendung und frühere Nähe bilden das Thema. Die Person überlegt, was sie am bisherigen Zusammenleben schätzt und wie sie das in einem Gespräch aussprechen möchte.

Zusammen. Eine Schwerterkarte und zwei Kelchkarten verbinden Auseinandersetzung mit Rückzug und Verbundenheit. Die Zahlen fünf, vier und sechs werden über die jeweiligen Kartenthemen betrachtet; sie ordnen hier Konflikt, Pause und Teilen. Die Zusammenfassung lautet: „Ich möchte mein Bedürfnis, recht zu behalten, vom Wunsch nach einem guten Miteinander trennen.“

Der Schritt. Bereite zwei Sätze vor: eine Beschreibung deines Anteils am Streit und eine klare Bitte zum Plan. Ergänze eine offene Frage nach der Sicht der anderen. Notiere ihre tatsächliche Antwort nach dem Gespräch neben der Legung; der Kartenbericht bleibt in seiner ersten Form erhalten.

Ein anderer Zusammenhang. Stünde Vier der Kelche auf dem Vergangenheitsplatz, würdest du den Rückzug als Hintergrund betrachten. In einer Ratgeberposition untersuchst du dagegen deine heutige Aufmerksamkeit für angebotene Möglichkeiten. Schreibe beide Varianten als Lernübung auf. Die Karte behält ihr Thema, während die Position einen anderen Bezug zur Frage herstellt.

Was erschwert das Lesen der Karten?

  • Dauernd neu ziehen. Beende die erste Deutung und benenne den unklaren Platz. Eine neue Ziehung bekommt eine neue, nachvollziehbar veränderte Frage.
  • Karten nur als gut oder schlecht einstufen. Der Tod bedeutet Ende, Verlust und Wandel; Der Turm Krise, Zusammenbruch und Erschütterung. Lies diese Themen vollständig.
  • Jede Karte isolieren. Die Karte Die Liebenden neben dem Teufel bringt eine andere Spannung als neben Zwei der Kelche. Position und Frage verbinden die Themen.
  • Die gewünschte Antwort als Bilddetail lesen. Liste erst auf, was tatsächlich dargestellt ist. Notiere anschließend deine persönliche Verbindung und ihre Begründung.
  • Die Ausrichtung nachträglich ändern. Bewahre sie in der Aufzeichnung. Wenn du ohne Umkehrungen übst, bestimmst du das vor dem Ziehen.
  • Die Frage während der Deutung ausweiten. Bleibe bei ihrem Gegenstand. Ein anderes Anliegen erhält ein eigenes Blatt und eine später gewählte Legung.
  • Nur nachschlagen und nie selbst formulieren. Schreibe jede Grundbedeutung in eigenen Worten. Begründe danach den Bezug zu ihrem konkreten Platz.

Mit kleinen Legungen weiterlernen

Ziehe morgens eine Karte und schreibe Bilddetail, Grundthema und persönliche Verbindung auf. Vergleiche am Abend den Eintrag mit deinen Beobachtungen. Studiere pro Woche eine Farbe von Ass bis Zehn und anschließend ihre Hofkarten. Die Reise des Narren ordnet die Große Arkana als Erzählfolge für eine weitere Lernübung.

Wähle für eine Dreierlegung in der Larisa-App „Legung: Klassisch / Karte“. Schreibe deine Frage, wähle drei Karten aus dem gemischten Deck und lies die Plätze selbst in ihrer zeitlichen Reihenfolge. Öffne danach die Deutung und vergleiche, welche Verbindung du selbst hergestellt hast und welche dir beim Lesen neu auffällt.

Die Tarot-Tageskarte vertieft die regelmäßige Notiz. Die Katina-Liebeslegung eröffnet eine andere Kartenstruktur für Beziehungsfragen. Wenn ein Traumbild den Gegenstand liefert, hilft Träume mit Tarot deuten beim getrennten Aufzeichnen deiner Traumerinnerung und der Karteninterpretation. Wähle für die nächste Übung ein Thema, das du in deinen bisherigen Notizen noch schwer erklären kannst.

Larisas Ansatz

Mein erster Rat an Anfänger ist, die Karten kennenzulernen: ihre Symbole, Farben, Figuren und das erste Gefühl, das sie auslösen. Lerne die Buchbedeutungen und gib deiner Intuition Raum. Ziehe dieselbe Frage nicht ständig neu, bis eine gewünschte Antwort erscheint; bei emotionalen Themen fällt Objektivität schwerer. Ich empfehle, einzelne Karten nicht als gut oder schlecht abzustempeln. Tarot bildet eine ganze Sprache: Nachbarn, Frage und Gesamtgeschichte gehören beim Lesen zusammen.

Häufige Fragen

Wie beginne ich mit einer Deutung für mich selbst?

Wähle eine kleine Frage und notiere die Antwort, die du dir erhoffst, in einem eigenen Feld. Ziehe eine Karte, beschreibe Bild und Bedeutung und verbinde sie mit der Frage. Lies den Eintrag später erneut. Die Trennung von Erwartung und Karteninterpretation erleichtert den Vergleich deiner Leseschritte.

Brauche ich eine besondere Begabung?

Eine besondere Begabung brauchst du nicht; beginne mit Deckaufbau, Bildbetrachtung und den Aufgaben der Positionen. Übe, ein Kartenthema in eigenen Worten zu erklären und zwei benachbarte Themen miteinander zu verbinden. Halte den ersten Eindruck neben der traditionellen Bedeutung fest. Das sind konkrete Fähigkeiten, die du beim regelmäßigen Lesen ausarbeitest.

Mit welchem Deck lässt sich die Bildsprache kennenlernen?

Im Rider–Waite–Smith-Tarot tragen auch die Zahlenkarten ausgearbeitete Szenen. Du vergleichst dort Handlungen, Gegenstände und Farben mit den traditionellen Bedeutungen. Bei einem anderen Deck untersuchst du dieselbe Karte neu und notierst die veränderten Details, statt das vertraute Bild einfach vorauszusetzen.

Muss ich mein erstes Deck geschenkt bekommen?

Wähle ein Deck, dessen Bilder du gern und aufmerksam betrachtest. Ein selbst ausgesuchtes Deck eignet sich ebenso für deine Übungen. Nimm es regelmäßig zur Hand, lerne die Gruppen kennen und schreibe die Bilder auf, bei denen du Bedeutung und Darstellung noch schwer verbindest.

Wann beginne ich mit größeren Legungen?

Sobald du eine Karte mit ihrer Aufgabe verständlich erklären und drei Kartenthemen zusammenführen kannst. Prüfe dabei, ob deine Zusammenfassung die ursprüngliche Frage noch behandelt. Eine größere Legung ergänzt weitere Blickwinkel; sie verlangt entsprechend mehr Einzeldeutungen und eine sorgfältige Verbindung aller Plätze.

Die Deutungen von Larisa Tarot dienen der persönlichen Bewusstwerdung, der Selbstreflexion und der Unterhaltung. Sie enthalten keine Gewissheit, keine Garantie für die Zukunft und kein Versprechen eines bestimmten Ergebnisses.